10:10 – no pressure?
Vom Verschwinden einer Provokation
"Lasst uns den CO2-Ausstoß um 10% verringern!" Dazu fordert das Video der britischen Umweltinitiative 10:10 in mehreren Szenen auf, damit jeder einzelne durch eigene kleine Initiativen zu diesem Ziel beiträgt. Wobei selbstverständlich niemand unter Druck gesetzt werden soll: alles ist schließlich freiwillig - eben "No pressure!". Diese Zusicherung gilt auch jenen, die sich dem Vorhaben nicht anschließen möchten. Es wird dann nur fix der rote Knopf gedrückt und all jene, die sich eben noch der Idee verweigerten, explodieren in schönster Splatter-Manier.
Die Provokation funktionierte wohl etwas zu gut: "Öko-Terroristen" war noch einer der netteren Vorwürfe, die sich die Organisation nach der Veröffentlichung anhören durfte - und dann einknickte: nachdem Unterstützer Sony 10:10 das Vertrauen entzog und die BBC sich weigerte, den Film auszustrahlen, läuft das Video nur noch auf youtube.
Das es aber der Sinn und Zweck eines solchen - sicherlich kontroversen - Filmes ist, Diskussionen zu einem Thema anzuregen, ist leider untergegangen. Denn dass er das geschafft hat, kann man unschwer an den Reaktionen erkennen, die er ausgelöst hat. (Dass sich die Kommentare dann irgendwann immer vom eigentlichen Thema entfernen, gehört inzwischen wohl zur Diskussionskultur im web 2.0)
Betrübt mag man feststellen, dass das Volkswohlbesorgtentum eine internationale Bewegung ist und (wieder einmal) die Meinungshoheit errungen hat - und sich ein Anliegen, das ohne jeden Zweifel richtig und wichtig ist, Protesten unterordnen muss, die an der eigentlichen Sache vollkommen vorbeigehen. Von wegen "No pressure" ...
Nachtrag: mittlerweile wird der Film (wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen) nicht mehr auf allen youtube-Kanälen gezeigt. Sollte der Link also nicht funktionieren, bitte kurze Info an info@vivafilm.de.
Drehbuch: Richard Curtis
Regie: Douglas Wilson
